{"id":1723,"date":"2022-01-14T02:09:32","date_gmt":"2022-01-14T01:09:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.chrenhart.eu\/2021\/?p=1723"},"modified":"2022-01-14T02:11:58","modified_gmt":"2022-01-14T01:11:58","slug":"interview-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.chrenhart.eu\/2021\/2022\/01\/14\/interview-3\/","title":{"rendered":"Interview"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group alignfull has-accent-background-color has-background\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u201eKLARHEIT IM NEBEL\u201c \u2012 CHRISTOPH RENHART IM <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.musicaustria.at\/klarheit-im-nebel-%e2%80%92-christoph-renhart-im-mica-interview\/\" target=\"_blank\">MICA-INTERVIEW<\/a><\/h4>\n\n\n\n<p>13. Januar 2022<\/p>\n\n\n\n<p><em>CHRISTOPH RENHART ist Komponist und Kurator einer Konzertreihe f\u00fcr Neue Musik im Grazer Kulturzentrum bei den Minoriten. Seit 2018 lehrt er an der Kunstuniversit\u00e4t Graz. Mit Michael Franz Woels sprach er \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Lavasee der Erde, \u00fcber das hei\u00dfe Eisen Diatonik und \u00fcber die dringende Notwendigkeit eines \u00e4sthetischen Diskurses \u00fcber Sch\u00f6nheit in der Neuen Musik.<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Auf Ihrer Website habe ich eine kleine gelbe <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.chrenhart.eu\/2021\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/giraffenbuch2019.pdf\" target=\"_blank\">Lego-Giraffe<\/a> entdeckt. Welche Funktion hat dieser Wegbegleiter f\u00fcr Sie, ist das ein Maskottchen?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Das war ein kleines Geschenk von meiner Freundin. Marketingtechnisch macht das keinen Sinn, aber ich wollte damit etwas machen und ich freue mich, wenn jemand die kurzen Geschichten liest. Ich wollte einen niederschwelligen, am\u00fcsanten Beitrag damit gestalten. Eine Website dient ja meist dazu, sich im besten Lichte zu zeigen. Eigentlich widerstrebt mir das Sich-st\u00e4ndig-in-Schaulage setzen. So habe ich die kleine Giraffe vorgeschoben.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Sie irritiert auf eine angenehme Art und Weise und liefert ja auch Einblicke in Gedanken eines Komponisten. Das Thema Selbstvermarktung f\u00fchrt mich zum Ende eines Interviews, das Sie dem Komponisten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.chrenhart.eu\/2021\/2020\/09\/01\/stb_interview\/\" target=\"_blank\">Gerhard Pr\u00e4sent<\/a> im September letzten Jahres gegeben haben. Ich m\u00f6chte daran ankn\u00fcpfen und noch einmal nachhaken, warum Sie die Musizierenden im Bereich der Neuen Musik als eher konservativ im Umgang mit diversen (neuen) Medien bezeichneten.<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Die Neue-Musik-Welt verh\u00e4lt sich in \u00e4u\u00dferster Weise konservativ. Wir reden gerne von stilistischer Offenheit und Vielfalt, die es ja zweifelsfrei gibt. Aber was man beobachtet ist, dass die Programmierung von gro\u00dfen Konzerth\u00e4usern immer wieder die gleichen Namen aufweist. Ich h\u00e4tte mir gerade in dieser Corona-Zeit etwas mehr Wagemut gew\u00fcnscht. Neugierde, was es sonst abseits der gro\u00dfen, namhaften Komponierenden noch so alles an j\u00fcngeren Stimmen gibt. Im Sommer waren ja viele Leute begierig auf Konzerte, da h\u00e4tte man dieses Potenzial ausnutzen k\u00f6nnen, auch f\u00fcr die Neue Musik. Das hat man verstreichen lassen und das war ein Fehler. Wenn es drauf ankommt, werden die gro\u00dfen Konzerte wieder mit ihren \u201eDinosauriern\u201c best\u00fcckt \u2013 auch gro\u00dfe Festivals wie <em>Wien Modern<\/em> wandern mir zu sehr auf ausgetretenen Pfaden. Sie haben schon ihre Berechtigung, aber ich finde das mutlos. Und wenn ich das einmal mit einer anderen meiner T\u00e4tigkeiten vergleiche, ich arbeite auch im Bereich des Webdevelopments, dann muss ich sagen, dass man sich so eine Attit\u00fcde, so eine Grundhaltung nicht erlauben kann, wenn man auf diesem Markt re\u00fcssieren will. Man kann da nicht sagen, wir machen einfach, was Professoren von der Standford Universit\u00e4t vor zwanzig Jahren gemacht haben. Das ist nicht mehr modern, das kann man sich absolut nicht erlauben. Da wird kein neues Start-up daraus; man schafft kein interessantes Produkt f\u00fcr den Markt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Mondviolen\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/106878918?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"580\" height=\"326\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Man sieht im Bereich der Neuen Musik doch viel Epigonentum und relativ wenig Programmverantwortliche, die neue Akzente setzen k\u00f6nnen und wollen. Das Problem ist da nicht unbedingt im Finanziellen zu sehen. In \u00d6sterreich kann man als Komponist zu Geld kommen, man muss es auch wirtschaftlich und unternehmerisch denkend angehen und Risiken eingehen, F\u00f6rderungen nutzen, etc. Das bedingt aber auch die Konsequenz, dass man, wenn es nicht funktioniert, etwas anderes macht. In meinem Fall habe ich einen Plan B, wenn ich meinen Weg k\u00fcnstlerisch nicht gestalten kann. Es gibt immer M\u00f6glichkeiten, die sich auftun. Bei mir ist es die IT.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201eDA W\u00dcNSCHE ICH MIR EIN ST\u00c4RKERES BEKENNTNIS ZUR NEUEN MUSIK.\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als Komponist ist man ja stark bem\u00fcht, Urauff\u00fchrungen zu bekommen. Da werden viele Eintagsfliegen produziert, das ist zum Teil nicht nachhaltig. Die Neue Musik kann eine wichtige Stimme sein, es entstehen interessante Kunstwerke. Aber qualit\u00e4tsvolles Arbeiten ben\u00f6tigt Zeit \u2013 auch um Dinge ausprobieren zu k\u00f6nnen. Gerade im Orchesterbetrieb ist es ein riesiges Problem, dass man vielleicht zwei Proben bekommt, um ein neues St\u00fcck auf die B\u00fchne zu bringen. Diese Haltung ist \u00fcberhaupt nicht forschend und wiederum konservativ. Da w\u00fcnsche ich mir ein st\u00e4rkeres Bekenntnis zur Neuen Musik, das sehe ich zurzeit nicht. Man will das, was funktioniert. Das ist bequem und nicht innovativ.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Neben Ihrer aktuellen T\u00e4tigkeit als Webentwickler sind Sie ja vor allem Pianist, Komponist und auch Kurator. Vielleicht k\u00f6nnten Sie kurz auf Ihre kuratorischen Erfahrungen im Kulturzentrum <em>KULTUM<\/em> in Graz eingehen.<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Das <em>KULTUM<\/em> \u2013 <em>Kulturzentrum bei den Minoriten<\/em> ist eine Einrichtung der Di\u00f6zese Graz-Seckau und wir sind ein Mehrspartenhaus, also eine Galerie mit Literatur-, Diskurs-, Film- und eine Neue-Musik-Sparte, dar\u00fcber hinaus haben wir Veranstaltungen f\u00fcr junges Publikum. Wir wollen neue Stilistiken zeigen, und wollen jungen Musikerinnen und Musikern ein Sprungbrett anbieten, um sich zu pr\u00e4sentieren. Wir arbeiten sehr eng mit Ensembles oder einzelnen Musizierenden der Kunstuniversit\u00e4t Graz zusammen. Wir wollen auch Netzwerke erm\u00f6glichen. Es vermischen sich auch oft unterschiedliche Publikumsteile. Wir haben zum Beispiel heuer eine Pfingstvigil mit drei Kompositionsauftr\u00e4gen gestaltet. S\u00e2nziana-Cristina Dobrovicescu, eine junge Studentin der <em>Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Graz (KUG)<\/em>, Antonis Rouvelas, der sein Kompositionsstudium an der <em>KUG<\/em> abgeschlossen hat, und <em>KUG<\/em>-Professor Clemens Nachtmann als \u00e4lterer, schon etablierter Komponist. Die St\u00fccke wurden vom Ensemble <em>Airborne Extended<\/em> gespielt und dann auch zur Er\u00f6ffnung der neu renovierten <em>Minoritens\u00e4le<\/em> wiederaufgef\u00fchrt. Der Rahmen, den uns die Kirche da bietet, ist besonders gut, weil die Neue Musik mit einem anderen Publikum in Ber\u00fchrung kommt.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Sie kuratieren seit 2017 f\u00fcr \u00bbKULTUM, Zentrum f\u00fcr Gegenwart, Kunst und Religion in Graz\u00ab?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Ja, und wir machen auch alle zwei Jahre ein Festival. Letztes Jahr haben wir die ersten <em>Tage der Neuen Klaviermusik Graz<\/em> ins Leben gerufen. Das hat wunderbar funktioniert, an Bord waren auch viele junge Pianistinnen und Pianisten der <em>KUG<\/em>. Es gab im Rahmen des Festivals auch einen Kompositions- und einen Interpretationswettbewerb. Die Veranstaltungen war gut besucht, wurde auch vom <em>ORF<\/em> ausgestrahlt und aufgezeichnet. Wir versuchen also immer wieder punktuell, Events f\u00fcr eine breitere \u00d6ffentlichkeit zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Sie sind ja auch als Senior Lecturer an der KUG t\u00e4tig. Welche F\u00e4cher unterrichten Sie da genau?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Ich unterrichte musiktheoretische F\u00e4cher: Grundlagen der Musiktheorie und Formenlehre. Heuer hatte ich das erste Mal einen Kurs f\u00fcr professionellen Notensatz. Das wird neu angeboten. Das layout-technische Setzen am Ende mit dem Computer ist heute Standard. Im Kurs lernen die Studierenden auch, was man bei der Erstellung von Notenmaterial mit Computergrafiken beachten sollte: Was macht ein gutes Stimmenmaterial aus? Wie liest man gut Korrektur, so dass keine Fehler im Stimmenmaterial entstehen, die dann viel Probezeit kosten k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Fallen Ihnen da bez\u00fcglich der Herangehensweise der Studierenden spezielle Aspekte auf?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Ich beobachte, dass die Studierenden unglaublich viel Wissen hinsichtlich der Handhabung von Computerprogrammen mitbringen. Man kann auf einem ganz anderen Niveau starten als vielleicht noch vor f\u00fcnfzehn Jahren. Was mir auch auff\u00e4llt, ist, dass es weniger Fragen bez\u00fcglich diverser Spieltechniken gibt. Es scheint wichtiger zu werden, die schnelle Anwendbarkeit zu fokussieren \u2012 das Erstellen von tadellosem Stimmenmaterial in m\u00f6glichst kurzer Zeit. Und Fragen nach (Sonder-)Zeichengebungen haben meiner Ansicht nach ein bisschen an Bedeutung verloren. Das f\u00fchre ich auch darauf zur\u00fcck, dass die Komponierenden heute mehr mit dem Computer arbeiten. Extravagante Grafiken sind aber immer noch handschriftlich leichter zu realisieren. Das wird beim Arbeiten am Computer noch als zeitliche H\u00fcrde empfunden, weil es oft stundenlang dauern kann, ein Sonderzeichen zu erstellen. Und das schl\u00e4gt sich auch kompositorisch nieder, rein von der Methodik her.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Auf Ihrer <a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/christoph-renhart\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Soundcloud-Seite<\/a> gibt es als Hintergrundbild noch Manuskript-Notenbl\u00e4tter mit einem Radiergummi-Close-Up zu sehen. Verschwindet der Radiergummi aus dem Komponierenden-Alltag?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Man kann das nicht so generell sagen. Ich versuche als Komponist ganz bewusst die Anwendung verschiedenster Methoden, um meinen Stil weiterzuentwickeln. Weil ich wei\u00df, dass die immer gleiche Methodik dann auch zu gleichbleibenden Ergebnissen f\u00fchrt. Eine neue Methode, die ich probiert habe, ist zum Beispiel das Experimentieren mit Algorithmen. Ich schreibe einen Stilgenerator, ein Computer-Programm, mit dem ich bestimmte harmonische Prozesse ausrechnen lassen kann. Man l\u00e4sst sich zum Beispiel einmal eine Seite an Akkorden vom Computer erstellen und spielt das dann selber am Klavier durch und schaut, ob man M\u00f6glichkeiten findet und ableiten kann, auf die man per Hand oder durch das Improvisieren am Klavier nicht gekommen w\u00e4re. Ich kann das wie einen k\u00fcnstlerischen Prozess der Manuskripterstellung nutzen, um Klanglichkeiten zu entdecken, die ich weiterentwickeln m\u00f6chte. Ein Kollege von mir, der Komponist <a href=\"https:\/\/www.musicaustria.at\/es-ist-eine-sauarbeit-alles-christof-ressi-im-mica-portraet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christof Ressi<\/a>, hat mir erst k\u00fcrzlich erz\u00e4hlt, dass er das Programm <em>Reaper<\/em> gro\u00dfartig findet, auch da es das Hineinschreiben von Notizen gut unterst\u00fctzt. Es eignet sich dadurch seiner Meinung nach gut zum Skizzieren von Klangereignissen und zum Planen von Kompositionen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201eDAS SCHAFFEN EINER ERGREIFENDEN OBERFL\u00c4CHE.\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">In der mica austria Musikdatenbank haben sie bei der Stilbeschreibung sehr poetische Worte gefunden: \u00bbIn meiner Musik versuche ich, ins Gestr\u00fcpp zu poetischen Fragmenten geschmiedeter Silben Pfade zu leuchten, dort entlang man den Unw\u00e4gbarkeiten musikalischer Aussagen einerseits misstrauen, dem Funkelbad \u00e4sthetischen \u00dcberflusses dennoch vollends erliegen mag.\u00ab Wie w\u00fcrden Sie mir heute Ihren Stil beschreiben, ihre aktuellsten Entwicklungen?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Ich w\u00fcrde auf den bildenden K\u00fcnstler Joan Mir\u00f3 verweisen. Was ich an ihm sehr sch\u00e4tze, ist das Schaffen einer ergreifenden Oberfl\u00e4che \u2012 mit vielen Mechanismen im Hintergrund, die auf den ersten Blick gar nicht so auffallen. Mir ist es genauso wichtig, einen ersten Eindruck zu hinterlassen, der einen mitnimmt. Eine Formgestaltung zu erreichen, die beim ersten H\u00f6ren \u00fcberzeugt und Interesse weckt, tiefer hinein schauen zu wollen. Ich m\u00f6chte <em>ausgeh\u00f6rte<\/em> Kl\u00e4nge; stets das Gef\u00fchl haben, dass ich sozusagen alle \u201eStationen eines Klanggeschehens\u201c abgesch\u00e4tzt habe. Die formale Gestaltung muss gut durchf\u00fchlt und innerlich durchh\u00f6rt sein. Die Bilder <em>L\u2019or de l\u2019azur<\/em> (1967), <em>Paysan catalan \u00e0 la guitare<\/em> (1924) oder <em>Femme et oiseau dans la nuit<\/em> (1945) von Mir\u00f3 sind da ein Vorbild f\u00fcr mich, weil sie in der Formsprache unglaublich klar sind und \u00fcberzeugende Farben bieten k\u00f6nnen. Sie laden mich aber auch ein, nachzufragen, was die einzelnen Figuren und Formen bedeuten k\u00f6nnten. Mir\u00f3 abstrahiert seine Ideen, deutet seine Figuren in emanzipierter Form an.<\/p>\n\n\n\n<p>Musik kann in ihrer emotionalen Aussage sehr konkret sein. Von daher r\u00fchrt auch mein Bestreben, mich zuvor sehr um die \u201egro\u00dfen Oberfl\u00e4chen\u201c zu k\u00fcmmern. Es ist schwierig, von der konkreten Bedeutung der einzelnen Kl\u00e4nge auszugehen, um damit eine Erwartung zu bauen. Politische Aussagen zu treffen, kann Musik eher schlecht. Ich k\u00f6nnte Ihnen zum Beispiel ohne weiteres einen Aufsatz dar\u00fcber schreiben, warum der italienische Komponist Luigi Nono besonders unkommunistisch war. Man kann also leicht einen falschen Kontext um eine kompositorische Absicht erzeugen. Wenn ich mich konkreter ausdr\u00fccken m\u00fcsste, w\u00fcrde ich eine andere Kunstform w\u00e4hlen. Ein Text oder ein Bild k\u00f6nnen viel pr\u00e4ziser sein, wenn es darum geht, eine klare Absicht zu transportieren. Musik kann, glaube ich, schlecht konkrete Aussagen treffen, wie: \u201eDie Welt ist grau\u201c oder \u201eDer Himmel ist blau\u201c. In ihrer emotionalen Wirkung wiederum kann sie sehr direkt sein. Insofern bin ich ein Komponist, der sich dieser Art der Poetik und der k\u00fcnstlerischen Gestaltung vordergr\u00fcndig widmet. Im Rahmen eines Vortrages an der <em>Universit\u00e4t Leipzig<\/em> f\u00fcr ein Seminar des Komponisten Bernd Franke habe ich unl\u00e4ngst \u00fcber \u201eKlarheit im Nebel\u201c, eines meiner Lieblingsthemen meine Werke betreffend, gesprochen. Das bezog sich auf kompositorische Strategien in meinen neueren Werken \u2013 vor allem in Hinblick auf die harmonische Gestaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frage, die mich kompositorisch unglaublich interessiert: Wie kann ich inmitten einer klanglichen Wolke mit sehr viel Klangmaterial und auch Mikrot\u00f6nen \u2012 wenn ganz \u201edicke Akkorde\u201c zusammenklingen \u2012 wie kann man in so einer Situation Klarheit schaffen? Wie kann man in so einer Situation kompositorisch bewirken, dass es harmonische Spannungsverl\u00e4ufe gibt? Wie kann ich das strategisch gestalten? Wie kann ich Harmonien durchschimmern und in ihrer \u201eFarblichkeit\u201c wahrnehmbar werden lassen? Das habe ich auch auf meinem <a href=\"https:\/\/www.chrenhart.eu\/2021\/2021\/06\/06\/solo-recital\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blog<\/a> angedeutet, welche Methoden ich da im Klavierzyklus \u201eXXI Orakel der Nacht\u201c angewendet habe. Das hei\u00dfe Eisen diatonischer Strukturen traut man sich als zeitgen\u00f6ssischer Komponist fast nicht mehr anzugreifen. Aber die Fragen im Kontext eines 16-stimmigen Akkordes mit Mikrot\u00f6nen: Wie k\u00f6nnte man mit einer diatonischen Struktur im Vordergrund punktuell harmonische Fasslichkeit herstellen? Wie gestaltet man damit gr\u00f6\u00dfere formale Abschnitte und dramaturgische Verl\u00e4ufe? Dieses Spannungsfeld interessiert mich kompositorisch: einerseits das Herstellen einer unheimlich komplexen Situation, auf der anderen Seite das erlebbare Strukturieren dieser Komplexit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Tonk\u00fcnstler-Orchester Nieder\u00f6sterreich, das Klangforum Wien, das Hugo Wolf Quartett, das Ensemble Kontrapunkte oder das Ensemble die reihe sind nur einige der prominenten Ensembles, die sich intensiv mit Ihren St\u00fccken auseinandergesetzt haben. Es gibt von Ihnen eine Portr\u00e4t-CD, die in der ORF Edition Zeitton 2017 erschienen ist. 2020 ist das Klavierst\u00fcck \u201eXXI Orakel der Nacht\u201c von Ihnen auf der CD Richard D\u00fcnser \u201eKlavierwerke\u201c (VMS\/Zappel Music Records) ver\u00f6ffentlicht worden. Sind weitere CD-Ver\u00f6ffentlichung geplant?<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Aufnahmen dieser Art sind f\u00fcr Komponierende absolut wichtig, um unsere Musik zug\u00e4nglich zu machen. Wir wissen, dass wir in unseren Konzerten in der Off-Abo-Szene, wenn man nicht zuf\u00e4llig einmal vom <em>Wiener Konzerthaus<\/em> oder dem <em>Wiener Musikverein<\/em> f\u00fcr ein Publikum von 500 Leuten programmiert wird, durchschnittliche mit Zuschauerzahlen zwischen f\u00fcnfzig und hundert Personen rechnen k\u00f6nnen. Es ist wichtig, Konzerte dokumentarisch festzuhalten, denn in Ensemble-St\u00fccken steckt viel Geld drin, das man auch verantwortungsvoll verwenden muss. Wir haben also einen Auftrag, Konzerte wirklich sorgf\u00e4ltig und auf gutem Niveau zu dokumentieren. Damit eine Chance auf Nachhaltigkeit und Wiederverwertung gegeben ist. Und dann m\u00fcssen wir darauf schauen, dass diese Dokumentationen auch zug\u00e4nglich werden. Vor allem, wenn sie von staatlicher Seite gef\u00f6rdert wurden. In einem Museum sollte man auch als \u00d6ffentlichkeit das Recht daran haben, die beste Kunst zu sehen. Es sollten doch Kunstwerke nicht einfach in einem tiefen Speicher zur Wertvermehrung eingebunkert werden. Wir als Komponierende m\u00fcssen also auch Sichtbarkeit anstreben. Ich finde es zum Beispiel sehr schade, dass man das <em>ORF<\/em>-Archiv nicht durchsuchen kann, selbst von der Universit\u00e4t aus nicht. Ich w\u00fcsste da keinen Zugang. <em>mica \u2013 music austria<\/em> leistet in diesem Bereich ja tolle Pionierarbeit, ich suche oft in der <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/db.musicaustria.at\/\" target=\"_blank\">mica austria Musikdatenbank<\/a><\/em>. Letztes Jahr entstand die Dokumentation \u201eIn Spirito Mahler\u201c von der <em>\u00d6GZM<\/em>, die auch nach wie vor auf <em>YouTube <\/em>zu sehen ist. Wir konnten damit viel mehr Publikum erreichen als sonst in einem Konzert. Und f\u00fcr n\u00e4chsten Sommer ist angedacht, das Programm der ersten <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/festival.oegzm.at\/misc\/festivalprospekt.pdf\" target=\"_blank\">Tage der Neuen Klaviermusik Graz<\/a> <\/em>im letzten Jahr \u2012 also einen guten Teil der aufgef\u00fchrten Konzerte \u2012 auf CD einzuspielen. Es ist nat\u00fcrlich ein gewisses unternehmerisches Risiko dabei, aber ein Anliegen unsererseits, diese Konzerte verf\u00fcgbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"In Spirito Mahler\" width=\"580\" height=\"326\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/0wYwPodP5zE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201eIN \u00d6STERREICH WIRD WENIG \u00dcBER \u00c4STHETIK DISKUTIERT.\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sie sind auch Teil des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/project.ulysses-network.eu\/\" target=\"_blank\">Ulysses<\/a> Network Projects. Dieses Projekt wurde von den Bildungsreisen von Musizierenden des 18. Jahrhundert inspiriert, die ihren Meistern in unterschiedliche L\u00e4nder nachgereist sind, um sich auf ihren Wanderschaften weiterzubilden und unterschiedliche kulturelle Umfelder zu erleben. Warum sind Sie diesem Netzwerk beigetreten?<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Es werden sehr viele Calls \u00fcber das <em>Ulysses-<\/em>Netzwerk ver\u00f6ffentlicht, bei denen ich auch immer wieder Kompositionen eingereicht habe. Ich hatte gro\u00dfes Gl\u00fcck und wurde zum <em>[\u2018tactus] <\/em>Festival, das auch vom <em>Ulysses-<\/em>Netzwerk mitgetragen wird, 2019 in Belgien nach Br\u00fcssel und Mons eingeladen. Ich konnte dort mit den <em>Brussels Philharmonic <\/em>in Br\u00fcsseldas St\u00fcck \u201eA Manifesto Mill<strong>\u201c<\/strong> und mit dem Ensemble <em>Musiques Nouvelles <\/em>in Mons das St\u00fcck \u201e\u00c9chos \u00e9loquents\u201c erarbeiten. Die Wanderschaft im Rahmen des <em>Ulysses<\/em>-Netzwerkes bietet auch einen Zugang zu anderen \u00e4sthetischen Vorstellungen. Ich finde, bei uns hier in \u00d6sterreich wird wenig \u00fcber \u00c4sthetik diskutiert. Daher finde ich es interessant zu sehen, welche St\u00fccke in anderen L\u00e4ndern und Gegenden programmiert werden und wie dar\u00fcber diskutiert wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Christoph Renhart - Echos Eloquents - [&#039;tactus] MUSIQUES NOUVELLES\" width=\"580\" height=\"326\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/9Wdp-ByEooQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Wir befinden uns in so einer Art Spieltechniken-Neobarock im Sinne einer \u00dcberladenheit verfremdeter Instrumentalkl\u00e4nge in vielen Werken der Neuen Musik. Bei meinen Reisen versuche ich dann, vor Ort \u00e4sthetische Fragen anzusprechen und zu diskutieren. Mein Bestreben ist es schon, aus gewissen Echokammern herauszukommen. Brian Ferneyhough spricht \u00fcber eine \u201eprimitive Expression des Gruppengeists\u201c, die er dort ortet, wo \u201eohne R\u00fccksicht auf die Werke selbst\u201c Zustimmung oder Ablehnung artikuliert wird. Gemeint ist der Dunstkreis rund um die Darmst\u00e4dter Schule. Wir m\u00fcssen aufpassen, dass wir nicht ein gewisses \u00e4sthetisches Ideal als gegeben betrachten. Wenn jemand sehr stark davon abweicht, dann findet es oft Ablehnung. Es bewegt sich zwar schon etwas im Bereich der Computermusik mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen. Der \u00e4sthetische Austausch wird breiter diskutiert als innerhalb der klassischen, traditionellen Neuen Musik, so habe ich den Eindruck. Aber man sollte auch mit den sogenannten konservativen Komponierenden dar\u00fcber sprechen. Denn es ist allzu leicht, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Positionen abzutun, ohne einen Diskurs zu suchen. Ich glaube, dass ein \u00e4sthetischer Diskurs wichtig ist, und dieser nicht in einem ausreichenden Ma\u00dfe stattfindet. Wer traut sich denn heute noch festzulegen, was Sch\u00f6nheit in der Neuen Musik bedeutet? Wir sollten uns dazu bekennen, was wir als sch\u00f6n empfinden, und was nicht.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Welche Reisen als Komponist sind Ihnen denn noch gut in Erinnerung geblieben, waren wichtige Etappen f\u00fcr Sie?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> K\u00fcnstlerisch sehr wichtig war f\u00fcr mich der Workshop <em>INK STILL WET<\/em> in Grafenegg. Er bietet die hervorragende M\u00f6glichkeit, ein eigenes Orchesterwerk selbst zu dirigieren. Ich war zwei Mal dort und habe unglaublich viel gelernt. Das Ambiente ist wirklich perfekt. Der Workshop war eingebettet in ein gro\u00dfartiges, nettes Orchester, in eine Atmosph\u00e4re, in der man wirklich gut lernen und seine Arbeit weiterentwickeln kann. Das Erlebnis, einmal einen Auftakt zu einem vollen Blechakkord zu geben, das sollte keine Komponistin, kein Komponist missen. Solche Erlebnisse kann man nicht am Schreibtisch haben; und auch nicht im Konzert. Daf\u00fcr muss man vorne am Dirigentenpult stehen und erfahren, wie das wirkt. Das ver\u00e4ndert k\u00fcnstlerisch etwas in einem: Es verleiht mir einen ganz unmittelbaren Blick auf die Kraft des Orchesters und wie ich diese Kraft steuern kann. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"di tale porpora\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/140537071?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"580\" height=\"326\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Sonst hat mir ein Aufenthalt in Malta sehr gefallen. Die Insel, die Art, wie die Menschen dort leben, diese Mischung aus italienischer Leichtigkeit und britischer Disziplin, die war sehr, sehr interessant. Die Insel ist sehr dicht besiedelt, es wird dort quasi alles verbaut, es gibt nur mehr ein ganz kleines St\u00fcck Wald. Vieles ist sehr kurios, und das ist etwas, das ich in meiner Musik auch suche. Dieses Obskure und Komische. Und das ist in Malta in einer gewissen Art und Weise \u00fcberall vorhanden. Man kann zum Beispiel die ausgefallensten italienischen Fischsorten, exzellent zubereitet, bekommen \u2012 aber dazu eine Sch\u00fcssel Pommes Frites. Solche Kleinigkeiten fand ich unheimlich spannend. Das versuche ich auch in meiner Musik: Situationen und Klangverhalten zu schaffen, die irgendwie komisch sind. Das, was im K\u00fcnstlerischen ungef\u00e4hrlich ist \u2012 dieses Sinistre, komisch Obskure \u2012 kann allerdings im Politischen, wie im Falle von Malta, leicht ins Mafi\u00f6se kippen.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Gibt es noch andere, unbesuchte Sehnsuchtsorte?<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Einen Ort, den ich noch sehen m\u00f6chte, ist der Berg Nyiragongo, ein sehr gef\u00e4hrlicher Vulkan n\u00f6rdlich der Stadt Goma im Kongo. Zurzeit herrscht im Kongo ein B\u00fcrgerkrieg und ich werde da wohl nicht so schnell hinkommen. Dort gibt es den gr\u00f6\u00dften Lavasee der Erde: ein Schauspiel, diese gro\u00dfartige Naturgewalt aus unglaublicher Gefahr und Sch\u00f6nheit. Der Ort ist aber noch in anderer Hinsicht gef\u00e4hrlich: Im s\u00fcdlich davon gelegenen Kivu-See sind in den tiefen Wasserschichten Unmengen an CO<sub>2 <\/sub>im Wasser gebunden. Es wird bef\u00fcrchtet, dass sich das Gas l\u00f6sen und an die Oberfl\u00e4che dringen k\u00f6nnte. So einen \u00e4hnlichen Fall gab es in Kamerun und dabei sind einige tausend Menschen gestorben. Das ist eine unglaublich fragile Situation. Das sind Orte, die mich anziehen, die eine Faszination auf mich aus\u00fcben. Eine Faszination, die sich daraus ergibt, dass sie \u00e4sthetisch sehr interessant sind, aber zugleich furchteinfl\u00f6\u00dfend und unzug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201eDAS KANN DIE MUSIK AM BESTEN \u2012 SIE KANN VERGEHEN.\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Das f\u00fchrt doch auch wieder zur\u00fcck zu dem schon angesprochenen Begriff der Sch\u00f6nheit? Sie beinhaltet und vereint ja auch oft ambivalente Elemente.<\/h6>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Renhart:<\/strong> Ich w\u00fcrde den guten, alten Faust, den Bund mit dem Teufel, zitieren: \u201e<em>Verweile doch! Du bist so sch\u00f6n!\u201c<\/em> In der Sch\u00f6nheit sehe ich auch das Kostbare des Moments. Sobald das Ideal der Sch\u00f6nheit erreicht ist, wei\u00df man aber auch genau, dass sie schon wieder vorbei ist. Es ist ein Zustand, der nur kurz erreicht werden kann. Er muss sich von allen anderen Zust\u00e4nden abheben, sowohl im Gro\u00dfen wie auch im Kleinen betrachtet. Auf die Musik umgelegt k\u00f6nnte man sagen: Im Gro\u00dfen betrachtet ist ein St\u00fcck Musik dann sch\u00f6n, wenn sie uns einen Moment der Aufmerksamkeit beschert. Innerhalb eines Musikst\u00fcckes kann man dann noch einmal differenzieren. Da findet man dann Momente, die man sich gleich wieder anh\u00f6ren mag. Sie sollen bleiben, aber sie k\u00f6nnen nicht bleiben. Denn das kann die Musik am besten, sie kann Vergehen. Es bleibt vielleicht die Erinnerung, mehr oder weniger konkret. Aber selbst in der Erinnerung m\u00fcssen wir die Zeit immer wieder durchlaufen, um zu diesem Moment zu kommen. Sch\u00f6nheit in der Musik ist im Prinzip ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt durch ihre Fragilit\u00e4t und Verg\u00e4nglichkeit.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/h6>\n\n\n\n<p>Michael Franz Woels<\/p>\n\n\n\n<p><em>Links:<br><a href=\"https:\/\/www.musicaustria.at\/klarheit-im-nebel-%e2%80%92-christoph-renhart-im-mica-interview\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Interview auf music austria<\/a><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/csc-kug.at\/studierende\/erfolgsgeschichten\/berufsbilder\" target=\"_blank\"><\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/db.musicaustria.at\/node\/201514\" target=\"_blank\">Christoph Renhart (music austria Musikdatenbank)<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Franz Woels talked with me about the earth&#8217;s largest lava lake, about the hot potato &#8220;diatonicism&#8221; and about the urgent need for an aesthetic discourse about beauty in music. 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