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Chamber Music Vocal Work

Drei nautische Stillleben

for mezzo-soprano and piano (2021)

DE

Das siebenteilige Werk basiert auf vier eigenen kurzen Gedichten, die unter dem Titel »Drei nautische Stillleben und ein Frostgedicht« zu einem Zylus zusammengefasst wurden. Die Textgrundlage ist dabei selbst wie ein musikalisches, abstraktes Werk gebaut, dessen inhaltlicher Zusammenhang nicht primär durch das Erzählen einer durchlaufenden und klar nachvollzibarer Geschichte sich stützt, sondern vielmehr durch enge Beziehungen auf der Ebene des Materials gestiftet wird. Solche Materialverwandtschaften betreffen kraftvolle Bilder wie die Farbe Rot, die etwa als Farbe der Lava in den Raum geschleudert wird oder als Wein dem Berg der Nymphen entquillt. Das Quellen wiederum stellt ein weiteres solches Grundmaterial dar, es quillt der Wein, es quillt explizit auch die Höhle der Lurche, darüber hinaus tropft und nässt es überall: In den Zungen des Bergs, durch die Poren des Farns, im zerflossenen Sand, im Morast der Astern usf. Beziehungen sehen wir auch zwischen einzelnen Buchstabenclustern: stillt, quillt, Krill, klirrt, kristallin etc.

Ein weiteres wichtiges Motiv sind die vielen großen Kontraste, die natürlich auf der Ebene des Materials wieder eng miteinander zu einem eigentlich surrealen Amalgam verschmolzen werden. So zeichnet die vier Tableaux der Gegensatz zwischen magmatischer Hitze und klirrender Kälte, zwischen dem Trockenen – auch in Hinsicht auf den Klang der Worte und Silben zu verstehen wie etwa bei den beonders konsonantenlastigen Wörtern starrt, steif, klirrt, karg usf. – und dem Nassen – in Analogie dazu finden wir vokallastige Wörter wie Lehm, bleiern, loh usf.

All diese Beziehungen sind in erster Linie musikalischer Natur. Die Aussagen der Strophen bleiben mehrdeutig und stets interpretierbar wie ein Orakel, aus dessen Deutung man sich kleine Weisheiten verspricht. Eine eindeutige inhaltliche Klammer stellt jedoch die Figur der Nymphe dar, die quasi sinnbildlich sowohl den Fluss des Lebens entspringen lässt, wie auch das Versiegen einer Quelle verkörpert. In ihr vereinen sich Hoffnung und Zerstörung, Frühlung und Winter. Der Vulkan (als Nymphenberg) bildet als natürliches Phänomen eine Analogie zur Figur der Nymphe, deren Wesenszüge allzu menschlich anmuten. Ähnlich wie sie schafft er Leben und raubt es zugleich, ist im selben Momement gefährlich und unglaublich faszinierend. Dazu besteht er aus flüssiger Masse (Magma), die zur trockenen Masse (Erde) wird.

Im vorliegenden musikalischen Werk werden besonders diese beschriebenen Kontraste dargestellt: Das Karge trifft auf das üppig Quellende, das Ruhige schlägt um ins Eruptive. An vielen Stellen kommentiert die Musik den Text, so nimmt ein ausladendes Vorspiel schon das Sprudeln des Wassers im ersten Lied vorweg und lässt uns eintauchen in eine impressionistisch-grazile Wasserwelt. Ganz markant ist auch das Bild des mächtigen Pottwals im Klavierpart dargestellt, der quasi vulkangleich eine Luftfontäne durch eine rauhe See in den Himmel schießt. Ebenso plakativ ist der Zusammensturz des Vulkans nach seiner Eruption musikalisch umrissen: Die Entstehung der Caldera finden wir ab Seite 26 in der Partitur als großes, virtuoses Zusammenrasseln dargestellt.
Drei nautische Stillleben entstand zwischen Juni und Dezember 2021 für die Mezzosopranistin Klaudia Tandl.

INSTRUMENTATION:

mezzo-soprano and piano

Both players play also small percussion instruments:
3 singing bowls, 3 percussion frogs and one tam-tam (or gong or a bell plate)

DURATION: ca. 20 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
April 17 2023, Musikverein (Vienna)

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Chamber Music Work

Karte der Ornamente und Arabesken

for flute, oboe, clarinet, bassoon, horn and percussion (2022)

DE

Die Karte der Ornamente und Arabesken ist eine Art auf den Kopf gestellte Barocksuite. Die einzelnen Sätze stilisieren anstelle der Rhythmik eines alten Tanzes jeweils eine gewisse Manier von Verzierungen. Im ersten Satz stehen Trillerfiguren im Zentrum, im nächsten die Idee des Mordent und in einem weiteren das Arpeggieren von Akkorden. Ganz wie im barocken Vorbild unterscheiden sich alle Sätze in ihren Charakteren stark voneinander. Den Sätzen zwischengestellt sind drei virtuose Kadenzen. Im Gegensatz zur traditionellen Suite erscheint hier das ausladende Präludium als Schlusssatz – als Postludium. Darüber hinaus wird auch auf einen weiteren Wesenszug barocker Suitensätze Bezug genommen: Alle Ornament-Tänze thematisieren die Ripresa, also die Wiederaufnahme einer kompositorischen Idee.
Grundlage dieser Fassung für Bläserquintett und Schlagwerk ist die gleichnamige Version Stücks für Flöte, Harfe und Cembalo, die im Jänner und Feber 2022 für das Ensemble »airborne extended« entstand.

EN

Karte der Ornamente und Arabesken is a kind of topsy-turvy Baroque suite. The individual movements stylise a certain manner of ornamentation in the place of the rhythms of ancient dances. In the first movement trills are at the centre, in the next movement the idea of the mordent is being focussed on and in a further movemet the arpeggio of chords. Much like the Baroque model all movements vary widely in their characters. Interposed between the movements are three virtuous cadenzas. In contrast to the traditional suite the sweeping prelude appears here as the final movement – as a postlude. Moreover, another trait of a typical Baroque suite’s movement is being referenced: All ornament-dances broach the issue of the Ripresa, the restatement of a compositional idea.
This version is based on the version of the same piece with the same name for flute, harp and cembalo which was composed in January and February 2022 for the ensemble airborne extended.

INSTRUMENTATION:

wind quintet:

  • flute (also bass flute)
  • oboe (also English horn)
  • clarinett in Bb (also bass clarinet)
  • bassoon
  • horn in F

percussion (one player):

  • glockenspiel
  • vibraphone
  • marimbaphone
  • one large gong (if possible tuned to Db)
  • suspended cymbal
  • bass drum or low timpan

DURATION: 7 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
This piece has not been played yet.

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Chamber Music Work

Karte der Ornamente und Arabesken

for flute, harp and cembalo (2022)

EN

Karte der Ornamente und Arabesken is a kind of topsy-turvy Baroque suite. The individual movements stylise a certain manner of ornamentation in the place of the rhythms of ancient dances. In the first movement trills are at the centre, in the next movement the idea of the mordent is being focussed on and in a further movemnet the arpeggio of chords. Much like in the Baroque model all movements vary widely in their characters. Interposed between the movements are three cadenzas played by the flute. In contrast to the traditional suite the sweeping prelude appears here as the final movement – thus as postlude. Moreover, another trait of a typical Baroque suite’s movement is being referenced: All ornament-dances broach the issue of the Ripresa, the restatement of a compositional idea.
The principal movements of the piece are played on two stringed and plucked instruments. The instrumentation is thus being expanded in two different ways: On the one hand the flute embodies a soloistic bridge between the movements, on the other hand both cembalist and harpist also play a small set of percussion instruments composed of a tam-tam and three singing bowls. By the different styles of playing, the percussion instruments mediate in this piece between the sounds of the stringed instruments and the flutes.
This composition was written in January and February of 2022 for the ensemble airborne extended.

DE

Karte der Ornamente und Arabesken ist eine Art auf den Kopf gestellte Barocksuite. Die einzelnen Sätze stilisieren anstelle der Rhythmik eines alten Tanzes jeweils eine gewisse Manier von Verzierungen. Im ersten Satz stehen Trillerfiguren im Zentrum, im nächsten die Idee des Mordent und in einem weiteren das Arpeggieren von Akkorden. Ganz wie im barocken Vorbild unterscheiden sich alle Sätze in ihren Charakteren stark voneinander. Den Sätzen zwischengestellt sind drei Flöten-Kadenzen. Im Gegensatz zur traditionellen Suite erscheint hier das ausladende Präludium als Schlusssatz – als Postludium. Darüber hinaus wird auch auf einen weiteren Wesenszug barocker Suitensätze Bezug genommen: Alle Ornament-Tänze thematisieren die Ripresa, also die Wiederaufnahme einer kompositorischen Idee.
Die Hauptsätze des Stücks werden von zwei Saiten- bzw. Zupfinstrumenten gespielt. Die Instrumentierung wird dabei in zweierlei Hinsicht erweitert: Einerseits stellt die Flöte eine solistische Brücke zwischen den Sätzen her, andererseits bedienen sowohl CembalistIn als auch HarfenistIn ein kleines Schlagwerk, bestehend aus einem Tamtam und drei Klangschalen. Durch die verschiedenen Spielweisen vermitteln die Schlaginstrumente in diesem Stück zwischen den Klängen der Saiteninstrumente und der Flöten.
Die Komposition entstand im Jänner und Feber 2022 für das Ensemble airborne extended.

INSTRUMENTATION:
flute (also bass flute), harp (also tam-tam), cembalo (also 3 singing bowls)

DURATION: 9 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
This piece has not been played yet.

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Chamber Music Work

Lizard Point

Lizard Point
for tenor recorder, accordion, percussion and violoncello (2018)

Nomen est omen. To sum up the mystery: «Der Name ist Programm».
«Lizard Point» was written in 2018 for the EXPAN quartet to be performed at the EXPAN festival 2018 in Spittal an der Drau / Carinthia. On the one hand the piece was inspired by the structure of computer languages. Its musical form is infused with if … then conditions and do … while loops. Thus the piece will differ in its shape from performance to performance. On the other hand I included a short section where the musicians are asked to improvise—for the very first time in my compositions. Perhaps I was looking for a way to combine mechanical patterns with liberalness and linked both instances with abstruse humour. At any rate, the piece is all about celebrating the principles of chamber music: playing together and reacting to whatever is happening on the stage.
Besides, Lizard Point is the most southerly point on mainland Great Britain.

INSTRUMENTATION:
tenor recorder, accordion, percussion (1 player), violoncello

PERCUSSION INSTRUMENTS:
vibraphone, glockenspiel, wood blocks, tam tam

DURATION:
7 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
November 24, 2018 • Spittal an der Drau, Schloss Porcia • EXPAN Quartet • Helga Jantscher, recorder • Christoph Hofer, accordion • Robert Rasch, violoncello • Igor Gross, percussion •

PERFORMANCES:

  • February 4, 2019 • Radio Ö1, Zeit-Ton • EXPAN Quartet • Helga Jantscher, recorder • Christoph Hofer, accordion • Robert Rasch, violoncello • Igor Gross, percussion
  • March 27, 2019 • Villach, Musikschule • EXPAN Quartet • Helga Jantscher, recorder • Christoph Hofer, accordion • Robert Rasch, violoncello • Igor Gross, percussion •

RECORDING:
ORF • info@chrenhart.eu

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Chamber Music Universal Edition Work

l’oued de la Naïade

l’oued de la Naïade
for violin, violoncello and piano (2018)

EN

«l’oued de la Naïade» means ‹dry valley of the Naiad›. Wadis are courses of rivers, that carry water only temporarily. The word wadi derives from the Arab and is commonly used in the deserts of North Africa. My music links the label with the metaphor of the Greek mythology according to which Nymphs die if the well over which they stand sentinel runs dry. The piece traces the fragility which delimits the ridge between being and nonbeing. The interplay of flowing and withering is, if you will, the ‹theme› of my composition. The trio «l’oued de la Naïade» originates from my «Naiad» work series and straight from the second movement of «tarir une Naïade», for violine and piano, a work from 2012/2013.

DE

»l’oued de la Naïade« bedeutet in etwa ›Trockental der Quellnymphe‹. Wadis sind Flussläufe, die nur zeitweise Wasser führen. Das Wort stammt aus dem Arabischen und ist insbesondere in den Wüstengebieten Nordafrikas gebräuchlich. Meine Musik verknüpft die Bezeichnung mit dem Bild aus der griechischen Mythologie, wonach Nymphen sterben, wenn die Quelle über die sie wachen versiegt. Das Stück spürt dabei jener Fragilität nach, die den Grat zwischen Sein und Nichtsein absteckt. Dieses Wechselspiel aus Fließen und Vertrocknen ist, wenn man so will, das ›Thema‹ meiner Komposition. Das Trio »l’oued de la Naïade« entspringt meiner Najaden-Werkreihe und unmittelbar dem zweiten Satz aus »tarir une Naïade«, jenem Werk für Violine und Klavier, welches 2012/2013 entstand.

INSTRUMENTATION:
violin, violoncello, piano

DURATION:
5 minutes

PUBLISHED BY:
Universal Edition

PREMIERE:
March 4, 2021 • Graz, J.-J.-Fux-Konservatorium • Lea Burböck, Violine • Jonathan Sauter, Klavier • Maximilian Stix, Violoncello

PERFORMANCES:

  • May 24, 2021 • Salzburg, Solitair • Lea Burböck, Violine • Jonathan Sauter, Klavier • Maximilian Stix, Violoncello
  • June 26, 2021 • Graz, Steiermarkhof • Lea Burböck, Violine • Jonathan Sauter, Klavier • Maximilian Stix, Violoncello

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Chamber Music Work

Marley’s Ghost

https://youtu.be/XV92vhMcxAM
Marley’s Ghost | Georg Klimbacher (baritone) | Andreas Fröschl (piano)

Marley’s Ghost
for baritone and piano (2017)

»Marley was dead: to begin with.« So beginnt Charles Dickens eine seiner bekanntesten Erzählungen, die wörtlich betrachtet eigentlich ›ein Weihnachtslied‹ bedeutet. Tot, oder sagen wir besser: abgedroschen, abgeschrieben und vom vielen Verfilmen völlig ausgeleiert, ist heute im Grunde alles, was auch immer dieses bis hin zu einer fernsehvertauglichten Bill Murray-Auskitschung plattgewalzerte Adventmärchen auch nur anzustreifen drohte. Warum also hier beginnen?

Weihnachten kommt alle Jahre wieder, komme was wolle. So tot der alte Marley auch scheint — nämlich »dead as a door-nail« — so lebendig spukt er immer noch als allgegenwärtiger Geist herum. Die Welt war immer schon die Mühsamste und ausgerechnet zu Weihnachten erwartet man selbst von den grantelndsten Menschen einen Mindesthang zu überschwänglichem Glücksgetue. Dazu werden schwere Geschütze aufgefahren: Glockengebrüll, funkelndes, kerzenlichtumflattertes Strohgestirn und ein gar himmlischer Nebel aus Pathos und Lakritze. Alles Humbug!

In meiner Musik hört man all die Zutaten des Humbugs so miteinander vermengt, dass sich daraus eine eigene Dramaturgie entspinnt. Diese verläuft entlang ausgewählter Textstellen aus Dickens‘ Roman. Der Erzähler verfällt dabei immer mehr seiner eigenen Geschichte und verwandelt sich am Ende selbst in den Geist seiner eigenen Figur.

»Marley’s Ghost« ist der Auftakt zu einem großen Monodram für Bariton und Orchester, das freilich noch in eine ganz andere Richtung läuft und längst verdrängte Geister heraufbeschwört. Seien Sie auf der Hut!

INSTRUMENTATION:
baritone, piano

DURATION:
14 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
December 11, 2017 • Vienna, Arnold Schoenberg Center • Georg Klimbacher, baritone • Andreas Fröschl, piano

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Chamber Music Vocal Work

Farben des Mohns

Farben des Mohns | Klaudia Tandl (mezzo-soprano) | Christoph Renhart (piano)

Farben des Mohns
for mezzo-soprano and piano (2014)

Farben des Mohns entstand im Frühjahr 2014 nach fünf Gedichten von Jakob Reichsöllner. Ich erbat mir eine Art Lyrik, die ich motivisch verarbeiten, fragmentieren und die ich als musikalisches Material zusammen mit dem Klanguniversum des Klaviers zu einem neuen, eigenständigen Werk verspinnen konnte. Klänge und Text sollten kammermusikalisch miteinander verschmelzen. Die Poesie aus der semantischen Bedeutung einzelner sprachlicher Momente sollte, in Musik gegossen, aus den Klängen heraus sprechen. Das entstandene musikalische Werk ist gleichsam eine Interpretation der Gedichte, die darin einige Aspekte zutiefst emotional durchleuchtet und diese um eine akustische Perspektive erweitert.

Das Klavierlied hat einen langen Weg hinter sich gelassen und tiefe Spurrillen in das Pflaster der Tradition gefurcht. Begegnen wir ihm heute, indem wir diesen Wagen ziehen lassen, seine Lenker werden neues Terrain erschließen, auf ihrer Reise neue Klangkulissen entdecken und die Art und Weise des Transportmittels beständig weiterentwickeln. Was von einstens geblieben ist, ist die Idee, zwei MusikerInnen — ein Sänger und ein Pianist — gemeinsam künstlerisch interagieren zu lassen.

Insofern sehe ich in meinem Werk vielmehr die kammermusikalische Begegnung als Grundgedanke verwurzelt als die Patina eines herbeizitierten Geistes, der freilich nie mehr wiederkehrt. Diese Begegnung erfährt eine Erweiterung ihrer rein klanglichen Dimension durch ein fragil-szenisches Konzept, welches sich jedoch in einer kammermusikalischen Konzertsituation sehr gut realisieren lässt.

Der theatralische Aspekt des Werks wird durch die Einbeziehung und Beeinflussung des Raumlichtes einerseits sowie durch szenische Andeutungen der Sängerin — die in der Partitur vorskizziert sind — andererseits etabliert. Darüber hinaus trägt der/die PianistIn durch ein gestenreiches Spiel — insbesondere die Einbeziehung des Innenraums des Instruments unterstützt die Musik auch betont pantomimisch — zum theatralisch-expressiven Charakter des Werkes maßgeblich bei.

Mein Ziel war, dass die SpielerInnen die Musik und ihren semantischen Inhalt im besten Sinne des Wortes verkörpern: Emotional, ausdrucksstark, gestenreich und in all der dazu notwendigen Gestaltungsfreiheit. Dazu muss die Musik in ihren Klängen und in ihrer Notationsform Freiräume schaffen, nicht alles restlos festlegen und doch dramaturgisch stringent durch die Kulissen getürmter Klangpyramiden zu führen vermögen.

Hören wir also in Farben des Mohns die Stille des Rauschens, den obskuren Schein der Nacht und atmen wir neugierig die Schatten, die vom jenseitigen Ufer her hallen. Begleiten wir die Figuren, die am Grat der Welten wandeln, erfüllt von der Leere aus Leben und Tod. Lassen wir uns verführen von den »giftzartummäntelten« Gewächsen eines verwünschten Gartens und trotzen wir den Glocken, die fortwährend unser Schicksal einläuten. — Christoph Renhart, Oktober 2015

INSTRUMENTATION:
mezzo-soprano, piano

DURATION:
13 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
October 22, 2015 • Maria Saal, Dom zu Maria Saal • Johanna von der Deken, mezzo-soprano • Gaiva Bandzinaite, piano

PERFORMANCES:

  • November 10, 2015 • Graz, Palais Meran • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano
  • November 13, 2015 • Graz, Steiermarkhof • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano
  • March 2, 2016 • Graz, Palais Meran • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano
  • March 8, 2016 • Salzburg, Mozarteum • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano
  • November 24, 2016 • Weiz, Europasaal • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano
  • September 3, 2016 • Radio Rai Südtirol, Querschnitte • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano
  • January 21, 2017 • Graz, Palais Meran • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Wolfgang Riegler-Sontacchi, piano
  • January 22, 2018 • Radio Ö1, Zeit-Ton • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano
  • January 28, 2018 • Radio Steiermark, Kultur spezial • Klaudia Tandl, mezzo-soprano • Christoph Renhart, piano

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Chamber Music Work

tarir une Naïade

tarir une Naïade | Karin Adam (violin) | Doris Adam (piano)

tarir une Naïade
for violin and piano (2013)

tarir une Naïade entstand zwischen Sommer 2012 und Herbst 2013. Das Fundament des II. Satzes bildet ein gleichnamiges Stück für Flöte solo, welches als poetischer Kern des Zyklus verwurzelt liegt. Diesem Ausgangsbild, das auf die Sterblichkeit der Najaden verweist, entkeimten vier weitere Sätze, welche einerseits poetische wie musikalische Anknüpfungspunkte suchen und das Stück zu einer abgerundeten Einheit formen, andererseits zugleich eigenständige und voneinander weitgehend unabhängige Klangbilder darstellen.

Einem gleißend schreienden Initialklang entwächst ein kurzes Wechselspiel aus Agitato- und Tranquillo-Abschnitten. Eine Akkordverdichtung führt beide Ideen als Synthese zusammen, ehe zwei schroff angeschlagene tiefste Klaviertöne trocken das Ende des Satzes abstecken.

Elegisch leuchtet der zweite Satz jenes Bild aus, wonach Najaden zusammen mit dem Gewässer, über das sie wachen, versiegend, versickernd oder verfließend sterblich bleiben – tarir une source bedeutet eine Quelle versiegen lassen. Dieses „Lamento“ nimmt sehr verschwommen Bezug zu Claude Debussy’s Syrinx für Flöte solo.

Der dritte Satz rückt farbige Glockenklänge und friedvolle Harmonien einerseits, andererseits hingegen furiose, bisweilen iberische Anklänge suchende, rhythmisch stark akzentuierte Klanggestalten con fuoco in den Fokus. Streng koordinierte Abschnitte und Passagen im aleatorischen Kontrapunkt fügen sich dabei nahtlos aneinander.

Ein sternklarer Mitternachtshimmel wölbt sich bukolisch funkelnd über den Beginn des vierten Satzes, bis unter polterndem Getöse die dreizehnte Stunde hereinbricht. Ein gespenstisch-lyrisches Intermezzo verklärt die Szenerie in ein surreales Idyll, doch die aufgewühlten Geister kehren zurück und lassen ihr wüstes Treiben mit ekstatischem Glockengeläute ausufern.

Über dem rauschenden Lichtermeer einer schlafenden Stadt umschwirren Fledermäuse einen Campanile. Von der Piazza her dringen verhallende Schritte empor. Als verflossener Nachklang tönen jene versunkenen Glocken durch die Nacht, die mit der Erinnerung an C. D. und an die versiegten Najaden ausschwingen.

Das 2013–2014 entstandene Werk ist Karin und Doris Adam herzlich gewidmet.

Die Einspielung mit Karin und Doris Adam ist 2017 in der ORF Edition Zeitton erschienen.

INSTRUMENTATION:
violin, piano

DURATION:
21 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
April 26, 2014 • Kottingbrunn, Kulturwerkstatt • Karin Adam, violin • Doris Adam, piano •

PERFORMANCES:

  • October 13, 2016 • Wels, Musikschule • Karin Adam, violin • Doris Adam, piano
  • January 22, 2018 • Radio Ö1, Zeit-Ton • Karin Adam, violin • Doris Adam, piano •
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Chamber Music Work

la terra sommersa … un campanile

la terra sommersa … un campanile
for violoncello and piano (2012)

la terra sommersa … un campanile – I
Maria Frodl, violoncello | Kaori Nishii, piano
la terra sommersa … un campanile – II
Maria Frodl, violoncello | Kaori Nishii, piano
la terra sommersa … un campanile – III
Maria Frodl, violoncello | Kaori Nishii, piano

Aus einem ungeformten Stück Ton wird ein Cluster aus klanglich immer differenzierter gestalteten Figuren modelliert. Auf einen nachdenklichen Mittelteil folgt ein schattenhaft gespenstisches Presto e misterioso, das friedvoll und abgeklärt seinen Ausklang findet.

Fraktale Figuren skizzieren die Grundidee des zweiten Satzes. Wie die Verästelungen eines Baumes wächst die Linie des Cellos in luftige Höhen, wo sie dem Wind in Gestalt einer Äolsharfe begegnet, ehe sie zurück zu ihren Wurzeln kehrt, die von wuchtigen Figuren im Klavier neu geerdet werden.

Den virtuosen dritten Satz zeichnet ein stufenartig angelegtes Aufwärtsstreben beider Instrumente von den tiefsten Registern zu ihren höchsten klanglichen Sphären. Zugleich findet eine stete Verkürzung der terrassenförmig angelegten Abschnitte statt. An ihrer Klimax bricht die Entwicklung in sich zusammen und kippt den Satz in ein sich langsam entfernendes Molto tranquillo, in dessen obskuren Tiefen eine Es-Glocke ausschwingt.

Im Versunkenen türmen sich Klänge, die obskur und unheimlich – bisweilen bedrohlich – empor an die Oberfläche drängen, um ihren inneren Zauber impressionistischer Farbgewalten regnen zu lassen. Aus dem Dunkel magischer Nachtklänge ergießt sich ein Ozean aus sm aragdgrünem Wasser, dessen Querung äolische Winde begleiten. Von weit her dringen die seidenen Töne der Harfen, von Aiolos Atem geschlagen. Unten im Sumpf der ertrunkenen Erde trägt starr einer Glocke letztes Geläut‘ ein verfallener Kampanile.

Das 2011 bis 2012 entstandene Werk ist Anna Magdalena Kokits und Alexander Gebert gewidmet.

INSTRUMENTATION:
violoncello, piano

DURATION:
11 minutes

PERFORMANCE MATERIAL:
info@chrenhart.eu

PREMIERE:
February 27, 2013 • Vienna, Musikverein • Alexander Gebert, violoncello • Anna Magdalena Kokits, piano

PERFORMANCES:

  • November 5, 2013 • Wels, Musikschule • Alexander Gebert, violoncello • Anna Magdalena Kokits, piano
  • Oktober 10, 2018 • Vienna, reaktor • Maria Frodl, violoncello • Kaori Nishii, piano

RECORDING:
info@chrenhart.eu

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Chamber Music Universal Edition Work

Epitaph für Ovid Naso

Epitaph für Ovid Naso | Hugo Wolf Quartett

Epitaph für Ovid Naso
for string quartet (2011, revised 2014)

English

The five movements of my first string quartet «Epitaph for Ovid Naso» blend landscapes, rhythms of archaic rites, the scent of Roman vine and nostalgia that is breaking through again and again for a tale from the times of empires long fallen apart. The figures coming into picture proclaim the melancholy falling on simple life like a heavy waft of mist. Furrowed by the unwrought verses of their austere daily routine, they uniformly and artlessly hammer out their rhythms in isolated spots from the amorphous desert backdrop. Time and again—washed around by the surges of the sea—their voices rise up from the bulge of yellowed memories.

We are drawn into the sounds disgorged by Poseidon‘s abyss, and see «on Tauris in the evening» a barbaric ritual, which ebbs away in a wild spree. At the end, we find our way back «to that era» which seems to be shaped by a vague flurry of activity. We longingly cast a final look at Vienna, where, as we know, the world still perishes a little later.

The string quartet was written in 2010–11 and was revised in 2014. The work was awarded the composition prize written out by jeuness, the Hugo Wolf Quartet and the Alban Berg Foundation.

German

Die fünf Sätze meines ersten Streichquartetts »Epitaph für Ovid Naso« vermengen Landschaftsbilder, die Rhythmen archaischer Riten, den Duft nach römischen Wein und immer wieder durchbrechende Nostalgie zu einer Erzählung aus einer Zeit längst verfallener Imperien. Die Figuren, die dabei auftreten geben von der Melancholie Kunde, die sich wie eine schwere Nebelschwade über das einfache Leben senkt. Zerfurcht von den rohen Versen ihres kargen Alltags hämmern sie ihre schlichten Rhythmen an vereinzelten Stellen im Gleichklang aus der amorphen Wüstenkulisse heraus. Immer wieder von den Wogen der See umspült tönen ihre Stimmen aus dem Wulst vergilbter Erinnerungen empor.

Wir werden hineingezogen in die Klänge, die der Schlund Poseidons ausspuckt und sehen »abends auf Tauris« ein barbarisches Ritual, das in einem wilden Trinkgelage entschläft. Und wir finden am Ende »in diese Zeit« zurück, um inmitten einer diffusen Hektik, die »diese Zeit« prägt, einen letzten sehnsuchtsschwangeren Blick nach Wien zu werfen, wo die Welt bekanntlich immer noch ein bisserl später untergeht.

Das Streichquartett entstand 2010–2011 und wurde 2014 revidiert. Das Werk wurde mit dem Kompositionspreis, ausgeschrieben von der Jeunesse, dem Hugo Wolf Quartett und der Alban-Berg-Stiftung, ausgezeichnet.

INSTRUMENTATION:
2 violins, viola, violoncello

DURATION:
17 minutes

PUBLISHED BY:
Universal Edition

PREMIERE:
October 16, 2016 • Vienna, Konzerthaus • Hugo Wolf Quartet • Sebastian Gürtler, volin • Régis Bringolf, violin • Subin Lee, viola • Florian Berner, violoncello

PERFORMANCES:

  • November 14, 2016 • Radio Ö1, Konzert am Vormittag • Hugo Wolf Quartet • Sebastian Gürtler, volin • Régis Bringolf, violin • Subin Lee, viola • Florian Berner, violoncello
  • March 5, 2017 • Warsaw, Radio Polskie Studio W. Szpilman • Hugo Wolf Quartet • Sebastian Gürtler, volin • Régis Bringolf, violin • Subin Lee, viola • Florian Berner, violoncello
  • May 4, 2017 • Valetta, Palazzo Pereira • Baltic Neapolis Quartet
  • June 8, 2017 • Polskie Radio Dwojka, Filharmonia Dwójki • Hugo Wolf Quartet • Sebastian Gürtler, volin • Régis Bringolf, violin • Subin Lee, viola • Florian Berner, violoncello
  • January 22, 2018 • Radio Ö1, Zeit-Ton • Hugo Wolf Quartet • Sebastian Gürtler, volin • Régis Bringolf, violin • Subin Lee, viola • Florian Berner, violoncello